Dieses Mal gönnte ich mir etwas Besonderes. Eine Fahrt mit der 1877 erbauten Straßenbahn vom Zentrum in den Stadtteil Santa Teresa. Damals noch mit Eseln als Zugmaschinen ausgestattet erfolgte 1898 die Elektrifizierung. Ich schätze, dass seit damals auch nichts mehr an der Tram verändert wurde. Wirklich kultig!
Aber wie immer, beginnen wir das Abenteuer von Anfang an. Nach einer kurzen Fahrt mit der Metro entstieg ich bei der Station Carioca dem klimatisierten Gefährt. Ein paar Rolltreppen später war ich noch immer unter Tag und befand mich in einem Zwischengeschoss, so groß und unübersichtlich wie in Wien am Karlsplatz. Und der kleine Tommi mitten drin. Juhhu! Nachdem sich die Stirnfalten wieder geglättet hatten, der Herzschlag sich normalisierte, marschierte ich frohen Mutes in irgendeine Richtung, um einen fetten Häuserblock später festzustellen, dass ich mir den Weg hätte sparen können. Nun gut dachte ich, dann packen wir halt unsere nicht vorhandenen Sprachkenntnisse aus und fragen nach dem Weg. Zielsicher steuerte ich einen ahnungslosen Zivilisten an und brachte ihn mit diversen Urlauten und Verrenkungen zum Stehen. Ich will gar nicht wissen was sicher derjenige über mich gedacht hat aber die oftmaligen „Tschuh - Tschuh - Tschuh – Bling - Bling “ inklusive Gesten hatten Erfolg, denn 10 Minuten später stand ich bei der Station. Artig stellte ich mich in der Schlange an, löste eine Fahrkarte und sicherte mir einen Fensterplatz. Bitte nicht bildlich vorstellen, denn Fenster und Türen gibt es keine. Dafür gibt es von vorne bis hinten Trittbretter. Wer die Fahrt auf diesen verbringt, bezahlt nichts. Als diese und alle Sitzplätze belegt waren fuhr das Ungetüm los. Nach einer Minute „Rumpl-di-Pumpl“ passierten wir ein riesiges Aquädukt. Imposant dachte ich, als ich ohne Sicherheitsleine gut 20 Meter hinab auf eine sechsspurige Verkehrsader blickte. Um noch eines drauf zu setzen sei erwähnt, dass das Aquädukt nicht wirklich breiter ist, als die Tram selber (bitte merken!). Danach ging es von einem malerischen Gässchen ins Nächste. Wirklich bezaubernd!
An der Endstelle beschloss ich nicht gleich wieder zurück zu fahren, sondern hier auszusteigen und per pedes den Rückweg an zu treten. Gesagt – getan, kam ich an diversen kleineren Museen vorbei und bestaunte traumhaften Vorgärten. Hierzu sei erwähnt, dass man in dieser Stadt fast keine Strasse/Gasse ohne Pflanzen bzw. Grünflächen findet. Aufgelockert wurde meine kleine Erkundungstour von einigen Grafittis an den Hausmauer, welche niemand wirklich stören und genial in das Stadtbild passen. Auf halber Strecke wurde mir das Marschieren in der Sonne dann doch zuviel und ich nahm für den restlichen Weg die Tramway. Die kam komischerweise so schnell um´s Eck´, dass ich sie fast verpasste. Doch mit einem eleganten Hopser erwischte ich noch das Trittbrett, hielt mich mit meiner Rechten an einer Banklehne fest und genoss es mit einem fetten Grinsen als die Bahn an Tempo aufnahm.
Der Fahrtwind brachte mir die erwartete Abkühlung und die bewundernden Blicke der Sitzenden ließen mich auf Wolke Sieben schweben. Aber nicht lange! Denn als ich bemerkte, dass mein Grinsen in die andere Richtung zeigte, war es schon zu spät! Das Aquädukt! Mit der Mutprobe im Visier bemerkte ich wie sich meine linke Hand zur Rechten gesellte und sich beide zeitgleich verkrampften. Die Überfahrt von vielleicht acht bis zehn Sekunden kam mir wie eine kleine Ewigkeit vor. Natürlich konnte ich mir den Blick nach Unten nicht verkneifen was zur Folge hatte, dass sich der Adrenalinausstoß bzw. die Schweißabsonderungen verzehnfachten. Hoffentlich erklärten sich die Mitfahrenden mein nasses T-Shirt damit, dass mir halt einfach so heiß war! An der Endstation brauchte es dann ein wenig bis man die Straßenbahn aus meiner Umklammerung befreit hatte. Mit einem herzlichen „mouito obrigado“ (Vielen Dank) verabschiedete ich mich beim Personal und setzte meinen Ausflug fort.
Anschließend besuchte ich noch das Künstlerviertel mit der schon in der ersten Woche erwähnten hübsch verfliesten Stiege. Bei genauerem Betrachten fiel mir auf, dass fast allen Ländern dieser Welt eine oder mehrere Fliesen gewidmet sind. Auch Österreich! Mit stolz geschwellter Brust ging es dann nach Hause!
Bis bald meine Lieben!
Tommi – The Alaskaboy in Rio de Janeiro!